Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Aus- u. Weiterbildung zum tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeuten

Die Ausbildung in der psychoanalytisch begründeten tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie
erfolgt nach den Richtlinien des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) sowie der
zugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Psychologische Psychotherapeuten
(PsychTh-AprV) in der jeweils geltenden Fassung. Die Ausbildung ermöglicht den Abschluss
und die Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten (PsychThG) mit der Fachkunde
„Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“.

 

Erster Abschnitt

Ausbildung

1. Zulassungsvoraussetzung

1.1 Berufliche Vorbildung
Voraussetzung für die Zulassung für Psychologen ist der Abschluss des Diplom-Studiengangs Psychologie oder ein in Deutschland anerkannter gleichwertiger Abschluss
1.2 Persönliche Eignung Voraussetzung für die Zulassung ist die persönliche Eignung des Bewerbers für die o. g. Ausbildung. Zur Feststellung der persönlichen Eignung führen die Lehrtherapeuten des Instituts mit dem Bewerber zwei Zulassungsinterviews. Die Lehrtherapeuten werden dem Bewerber vom Leiter des Ausbildungsausschusses genannt.
1.3 Zulassungsverfahren Der Leiter des Ausbildungsausschusses teilt auf Anfrage mit, welche Bewerbungsunterlagen erforderlich sind. Die Aufnahme unterliegt einem Zulassungsverfahren, in dem die persönliche Eignung des Bewerbers festgestellt wird. Bei Zulassung wird mit dem Ausbildungsteilnehmer ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen.
1.4 Ziel der Ausbildung Die Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie hat zum Ziel, über eine umfassende Vermittlung theoretischer und praktischer Kenntnisse dem Ausbildungsabsolventen die selbständige Anwendung tiefenpsychologisch fundierter psychotherapeutischer Behandlungsmöglichkeiten zu ermöglichen.

2. Inhalt und Ziel der Ausbildung

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie umfasst ätiologisch orientierte Psychotherapieformen, mit denen die unbewusste Psychodynamik aktuell wirksamer neurotischer Konflikte unter der Beachtung von Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand behandelt wird. Dabei wird im Gegensatz zur psychoanalytischen Psychotherapie,
die auf eine Strukturänderung des Patienten zielt, eine Konzentration des therapeutischen Prozesses angestrebt. Dies geschieht vor allem durch eine Begrenzung
des Behandlungszieles, durch ein vorwiegend konfliktzentriertes Vorgehen und durch Einschränkung regressiver Prozesse.
Das Ziel ist die Ausbildung in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Patienten mit krankheitswertigen Störungen, bei denen Psychotherapie indiziert ist, und die
Therapie von Patienten, deren körperliche Erkrankungen psychisch bedingt sind sowie bei Patienten, deren seelische Störungen Begleiterscheinungen und Folgen von
körperlichen Erkrankungen sind (unter Berücksichtigung der ärztlichen Befunde zum körperlichen Status und der sozialen Lage des Patienten). Das Ziel der Ausbildung ist
damit der Erwerb der Kenntnisse und Fertigkeiten, die notwendig sind, um tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in eigenständiger Verantwortung durchzuführen.
Die Vermittlung von Kenntnissen in anderen Therapieverfahren soll eine differentielle Psychotherapie-Indikation ermöglichen und die Zusammenarbeit mit anderen Schulrichtungen
fördern.

3. Gliederung der Ausbildung

3.1 Die Ausbildung erfolgt curricular und erstreckt sich auf die Vermittlung von eingehenden Grundkenntnissen in wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren sowie auf eine vertiefte Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Sie wird auf der Grundlage des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes praxisnah und Patienten bezogen gelehrt. 3.2 Die Ausbildung wird in Teilzeitform (berufsbegleitend) durchgeführt und dauert mindestens 5 Jahre. Sie umfasst insgesamt mindestens 4200 Stunden. Sie besteht aus vier Teilen: a) einer praktischen Tätigkeit b) einer theoretischen Ausbildung c) einer praktischen Ausbildung mit Krankenbehandlungen unter Supervision sowie d) einer Selbsterfahrung, die zur Reflexion eigenen therapeutischen Handelns befähigen soll (Lehrtherapie). Sie schließt mit Bestehen der staatlichen Prüfung ab. 3.3 Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen nach Absatz 3.2 wird jeweils von den Dozenten im Studienbuch testiert und ist am Schluss durch eine Bescheinigung nach dem Muster der Anlage 2 (siehe PsychTh- APrV) nachzuweisen. 3.3 Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen nach Absatz 3.2 wird jeweils von den Dozenten im Studienbuch testiert und ist am Schluss durch eine Bescheinigung nach dem Muster der Anlage 2 (siehe PsychTh- APrV) nachzuweisen.

4. Praktische Tätigkeit

4.1 Die praktische Tätigkeit dient dem Erwerb praktischer Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit krankheitswertigen Störungen im Sinne des § 1 Abs. 3 Satz 1 des PsychThG sowie dem Erwerb von Kenntnissen über Störungsbilder bei Patienten, bei denen Psychotherapie nicht indiziert ist. Die praktische Tätigkeit umfasst mindestens 1800 Stunden, die in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten abzuleisten sind, einzelne Abschnitte müssen jeweils mindestens drei Monate umfassen. Sie erfolgt für mindestens 1200 Stunden (ein Jahr) in einer psychiatrisch-klinischen Einrichtung, die im Sinne des ärztlichen Weiterbildungsrechtes zur Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie ermächtigt ist oder die von der nach § 10 Absatz 4 PsychThG zuständigen Behörde als gleichwertige Einrichtung anerkannt wurde. Die praktische Tätigkeit soll vor oder im ersten Abschnitt der Ausbildung durchgeführt werden und ist für mindestens 600 Stunden (ein halbes Jahr) an einer von einem Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtung der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung, in der Praxis eines Arztes mit Supervisorenqualifikation und einer seitens der Ärztekammer anerkannten Weiterbildung in der Psychotherapie oder eines Psychologischen Psychotherapeuten mit Supervisorenqualifikation erfolgen. 4.2 Die praktische Tätigkeit steht unter fachkundiger Anleitung und Aufsicht. Während der praktischen Tätigkeit in der psychiatrisch-klinischen Einrichtung ist der Ausbildungsteilnehmer jeweils über einen längeren Zeitraum an der Diagnostik und der Behandlung von mindestens 30 Patienten zu beteiligen. Bei mindestens 4 Patienten sind die Familie oder andere Sozialpartner des Patienten einzubeziehen. Dabei hat der Ausbildungsteilnehmer Kenntnisse und Erfahrungen über die akute, abklingende und chronifizierte Symptomatik psychiatrischer Erkrankungen von Patienten zu erwerben. Die Patientenbehandlungen sind fallbezogen und unter Angabe von Umfang und Dauer zu dokumentieren.

5. Theoretische Ausbildung

Das Curriculum für die theoretische Ausbildung umfasst sämtliche Lehrinhalte, die Gegenstand der Anlage 1 (zu § 3 Abs. 1, PsychTh-APrV) sind: Grundkenntnisse in wissenschaftlich anerkannten Verfahren und im Rahmen der vertieften Ausbildung auf Spezialkenntnisse in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Die Bezeichnungen der einzelnen Lehrinhalte folgen der Terminologie und den Erfordernissen des vertieften Verfahrens. Die theoretische Ausbildung umfasst mindestens 600
Stunden und erstreckt sich auf die zu vermittelnden Grundkenntnisse für die psychotherapeutische Tätigkeit sowie im Rahmen der vertieften Ausbildung auf Spezialkenntnisse in psychoanalytisch begründeten Verfahren. Sie findet in Form von Vorlesungen, Seminaren und praktischen Übungen statt. In den Seminaren werden die in den Vorlesungen und praktischen Übungen vermittelten Ausbildungsinhalte der Anlage 1 vertiefend und anwendungsbezogen erörtert. Es werden insbesondere psychologische, psychopathologische und medizinische Zusammenhänge herausgearbeitet. Während der Seminare wird auch die praktische psychotherapeutische Arbeit mit Patienten vorgestellt. Die Zahl der Ausbildungsteilnehmer an einem Seminar soll 15 nicht überschreiten. Die praktischen Übungen umfassen Falldarstellungen und Behandlungstechniken der psychotherapeutischen Arbeit mit Patienten. Dabei sind die Belange des Patienten zu berücksichtigen. Praktische Übungen werden, soweit der Lehrstoff dies erfordert, in kleinen Gruppen durchgeführt.

6. Anamnesenerhebung

Nach Abschluss des 1. Semesters kann mit der Anamnesenerhebung unter Supervision
begonnen werden. Es sind 10 tiefenpsychologisch fundierte Anamnesen zu erheben. Jede einzelne Anamnese bedarf der Kontrolle des Zweitsichters und der Anerkennung durch seine Unterschrift im Studienbuch. Mindestens 2 Anamnesen sollen mit Patientenvorstellung erfolgen. Nach der 5. Anamnese stellt der Ausbildungskandidat den Antrag auf Zulassung zur weiteren Anamnesenerhebung. Der Zweitsichter
der 5. Anamnese holt die Voten der vorherigen Zweitsichter ein und gibt Rückmeldung an den Leiter des Ausbildungsausschusses. Die Anamnesen sollen bei verschiedenen Zweitsichtern vorgestellt werden und bei Patienten mit unterschiedlichen Störungsbildern erhoben werden.

7. Das Zwischenkolloquium

Vor Übernahme des ersten Behandlungsfalles unter Supervision ist eine mündliche
Zwischenprüfung (Zwischenkolloquium) durchzuführen. Die Zulassung zur Zwischenprüfung erfolgt im Ausbildungsausschuss nach schriftlichem Antrag des Ausbildungsteilnehmers. Die Zwischenprüfung wird von einer Prüfungskommission durchgeführt, die vom Leiter des Ausbildungsausschusses eingesetzt wird. Die Entscheidung über Bestehen oder Nichtbestehen erfolgt am Ende der Prüfung und wird durch den Leiter des Ausbildungsausschusses schriftlich bestätigt.
Um zur Zwischenprüfung zugelassen zu werden sind erforderlich

1. Lehrtherapie von mindestens 75 Stunden
2. eine aktive Beteiligung an Vorlesungen, Übungen, Seminaren und Kolloquien mit in der Regel wenigstens 200 nachgewiesenen Theoriestunden eine selbständige erfolgreiche Erhebung von mindestens 10 tiefenpsychologisch fundierten Anamnesen unter Supervision, die zur Zweitsicht schriftlich vorzulegen sind.

Nach bestandener Zwischenprüfung wird der Kandidat Praktikant mit der Berechtigung, zwei Behandlungsfälle zu übernehmen.

8. Praktische Ausbildung

8.1 Schweigepflicht
Die Ausbildungsteilnehmer stehen hinsichtlich aller Inhalte, die Patienten betreffen,
unter gesetzlicher Schweigepflicht, die auch nach Beendigung der Ausbildung andauert.
Die Schweigepflicht wird durch die Unterschrift einer entsprechenden Erklärung
anerkannt. Diese Schweigepflichterklärung ist vor der ersten Anamnesenerhebung
dem Leiter des Ausbildungsausschusses zuzuschicken.
8.2 Berufshaftpflichtversicherung
Die Ausbildungsteilnehmer verpflichten sich, vor Beginn der ersten Anamnesenerhebung
eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen.
8.3 Organisation der praktischen Ausbildung
Die praktische Ausbildung dient dem Erwerb sowie der Vertiefung von eingehenden
Kenntnissen und praktischen Kompetenzen für die Behandlung von Patienten in tiefenpsychologisch
fundierter Psychotherapie. Sie umfasst mindestens 600 Behandlungsstunden
bei mindestens 6 Patienten. Weiterhin beinhaltet die praktische Ausbildung
mindestens 150 Stunden Supervision, von denen mindestens 50 als Einzelsupervision
durchzuführen sind. Bei der Zuweisung von Behandlungsfällen ist zu gewährleisten,
dass die Ausbildungsteilnehmer über das Spektrum von Störungen mit
Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist, eingehende Kenntnisse und
Erfahrungen erwerben können.
8.4 Die Supervision soll dem Behandler prozessbegleitend helfen, aus einem mehrschichtigen
Verständnis der therapeutischen Beziehung heraus zu situationsangemessenen
Interventionen zu finden. Die Arbeitsform der Supervisionsgruppe ergänzt
die dyadisch organisierte Einzelsupervision durch multilaterale Interaktionen
und gibt u. a. Gelegenheit zur vergleichenden Selbstbeurteilung. In der Supervision
erfolgen qualitative Bewertungen. Supervisoren sind in dieser Hinsicht gegenüber
dem Ausbildungsausschuss mitteilungspflichtig. Die Supervisionsstunden sind bei
mindestens 3 Supervisoren abzuleisten und auf die Behandlungsstunden, mindestens
in einem Verhältnis von 1: 4 zu verteilen. Bei Gruppensupervision sollte die
Gruppe maximal aus vier Teilnehmern bestehen.
8.5 Der Praktikant ist verpflichtet, am Ende jedes Quartals dem Leiter des Ausbildungsausschusses
die Anzahl der Behandlungs- und Supervisionsstunden mitzuteilen. Pro
Behandlungsfall sind die Namen der Supervisoren schriftlich mitzuteilen.
Über die mindestens 6 Behandlungen sind schriftliche Falldarstellungen zu erstellen.
Sie sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigen, die Diagnostik, Indikationsstellung
und eine Evaluation der Therapieergebnisse einschließen, sowie den
Behandlungsverlauf und die Behandlungstechnik in Verbindung mit der Theorie aufzeigen.
Sie werden vom Supervisor unterzeichnet, wenn sie akzeptiert werden.
8.6 Kasuistiken
Der Praktikant ist verpflichtet, bis zum Ende der Ausbildung regelmäßig an den kasuistisch-
technischen Seminaren und Seminaren zur Behandlungstechnik teilzunehmen.
Erste Kasuistik (Probefallkasuistik)
Im Rahmen eines kasuistisch-technischen Seminars wird die Behandlung eines der
ersten beiden Patienten dargestellt. Bei der tiefenpsychologisch fundierten Ausbildung
ist die Darstellung eines therapeutischen Prozesses von ca. 20 Therapiestunden
einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie erforderlich. Die Beurteilung
der Behandlungskompetenz des Praktikanten erfolgt durch die die Kasuistik
abnehmenden zwei Dozenten mit Supervisorenstatus. Diese teilen ihre Voten dem
Ausbildungsausschuss mit. Der Ausbildungsausschuss entscheidet danach über die
Übernahme weiterer Behandlungsfälle. Bei Nichtbestehen kann die erste Kasuistik
einmal wiederholt werden.
Mindestens zwei weitere Kasuistiken finden unter den gleichen Bedingungen wie die
erste Kasuistik statt. Bei einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie umfasst
eine Kasuistik mindestens 50 Behandlungsstunden. Die Kasuistiken können bei
Nichtbestehen wiederholt werden.

9. Lehrtherapie

Bedeutung der Lehrtherapie
Die persönliche Lehrtherapie ist grundlegender Bestandteil der tiefenpsychologisch
fundierten Ausbildung. Sie ist eine Selbsterfahrung in der therapeutischen Methode
mit wissenschaftlich didaktischer Funktion. Sie ist entwicklungsfördernd und soll eine
grundlegende Erfahrung therapeutischer Prozesse ermöglichen. Sie soll die Persönlichkeitsentwicklung
fördern und dient darüber hinaus der Betrachtung des individuellen
Prozesses unter Bezugnahme auf das tiefenpsychologische Theoriesystem. Zur
selbständigen Ausübung von Psychotherapie ist eine längere, die gesamte Ausbildung
begleitende Lehrtherapie erforderlich.
Rahmenbedingungen
Die Lehrtherapie soll die gesamte Ausbildung begleiten und in der Regel mindestens
1 Wochenstunde umfassen. Sie umfasst mindestens 250 Stunden. Sie soll baldmöglichst
bei einem vom Institut anerkannten Lehrtherapeuten begonnen werden. Bei der
Anmeldung zur Zwischenprüfung sollten mindestens 50 Stunden Lehrtherapie absolviert
sein.
Zwischen dem Weiterbildungsteilnehmer in Lehrtherapie und seinem Lehrtherapeuten
dürfen keine verwandtschaftlichen Beziehungen und keine wirtschaftlichen und
dienstlichen Abhängigkeiten bestehen. Lehrtherapeuten unterliegen gegenüber dem
Lehrinstitut der Schweigepflicht und bescheinigen lediglich Dauer und Stundenzahl.
Sie beteiligen sich nicht an Beurteilungen und Prüfungen ihrer Lehrtherapieabsolventen.
Über Unterbrechungen bzw. die Beendigung der Lehrtherapie muss der
Ausbildungsteilnehmer den Leiter des Ausbildungsausschusses unterrichten.
Außerdem wird die Teilnahme an einer tiefenpsychologisch fundierten Gruppenselbsterfahrung
empfohlen.

Zweiter Abschnitt

1. Allgemeine Prüfungsbestimmungen

Die zuständige Behörde entscheidet auf Antrag des Prüflings über die Zulassung zur
staatlichen Prüfung und entscheidet (gemäß § 7 Abs. 1 PsychTh-APrV) im Benehmen
mit der Leitung der Ausbildungsstätte über die Ladungen zu den Prüfungsterminen.
Die Prüfungstermine sollen nicht früher als zwei Monate vor dem Ende der Ausbildung
(die mindestens 5 Jahre dauert) liegen.
1.1.2 Die Zulassung zur Prüfung wird erteilt, wenn folgende Nachweise vorliegen:
1. die Geburtsurkunde oder ein Auszug aus dem Familienbuch der Eltern, bei
Verheirateten die Heiratsurkunde oder ein Auszug aus dem für die Ehe geführten
Familienbuch oder jede sonstige Urkunde, die eine Namensänderung
zur Folge hat,
2. der Nachweis über die bestandene Abschlussprüfung im Studiengang
Psychologie, die das Fach klinische Psychologie einschließt,
3. die Bescheinigung über die Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen
und
4. zwei wissenschaftlich ausgearbeitete Falldarstellungen, die von der Ausbildungsstätte
als Prüfungsfall angenommen wurden und von der eine
mindestens 80 Stunden umfasst,
5. die Zulassung zur Prüfung und die Prüfungstermine sollen dem Prüfling
spätestens zwei Wochen vor Prüfungsbeginn schriftlich mitgeteilt werden.
6. Entrichtung der Examensgebühr
Die Höhe der Gebühr für die Zwischenprüfung wird vom Institut festgelegt
und ist aus der jeweils aktuellen Gebührenübersicht zu ersehen.
Die Höhe der Gebühr für das Staatsexamen bestimmt sich nach dem jeweils
geltenden Verwaltungskostenverzeichnis zur Verwaltungskostenordnung
für den Geschäftsbereich des Sozialministeriums
1.2 Staatliche Prüfung
1.2.1 Die staatliche Prüfung nach § 5, Absatz 1, Satz 2 des PsychThG umfasst einen
schriftlichen und einen mündlichen Teil.
1.2.2 Der Prüfling legt die Prüfung unter Aufsicht vor der zuständigen Behörde ab.
1.3 Prüfungskommission
1.3.1 Für den mündlichen Teil der Prüfung bedient sich die staatliche Behörde einer staatlichen
Prüfungskommission (§ 9 Abs. 1 PsychTh-AprV). Die Prüfungskommission besteht
aus folgenden Mitgliedern, von denen zwei keine Lehrkräfte der Ausbildungsstätte
sein dürfen, an der die Ausbildung durchgeführt wurde:
1. einem Psychologischen Psychotherapeuten, der in tiefenpsychologisch
fundierter Psychotherapie qualifiziert ist und als Supervisor anerkannt ist,
als Vorsitzenden
2. mindestens zwei weiteren Psychologischen Psychotherapeuten, von denen
mindestens einer über die Supervisorenanerkennung in tiefenspychologisch
fundierter Psychotherapie verfügt
3. ein Arzt mit einer ärztlichen Weiterbildung in der Psychiatrie und Psychotherapie,
in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie oder
in der Psychotherapeutischen Medizin, der an einer Ausbildungsstätte
lehrt.
1.3.2 Der Lehrtherapeut des Prüflings darf der Prüfungskommission nicht angehören.
1.3.3 Jedes Mitglied der Prüfungskommission hat einen oder mehrere Stellvertreter. Die
Prüfungskommission und ihre Stellvertreter werden von der zuständigen Behörde bestellt.
1.3.4 Niederschrift
Über die Prüfung wird ein Protokoll verfasst, aus dem Gegenstand, Ablauf und Ergebnisse
der Prüfung und etwa vorkommende Unregelmäßigkeiten hervorgehen. Es
wird von allen Mitgliedern der Prüfungskommission unterzeichnet.
1.3.5 Benotung
Die schriftliche Aufsichtsarbeit und die Leistungen im mündlichen Teil der Prüfung
werden wie folgt benotet:
„sehr gut“ (1), wenn die Leistung hervorragend ist
„gut“ (2), wenn die Leistung erheblich über den durchschnittlichen Anforderungen
liegt,
„befriedigend“ (3), wenn die Leistung in jeder Hinsicht durchschnittlichen Anforderungen
gerecht wird,
„ausreichend“ (4), wenn die Leistung trotz Mängeln noch den Anforderungen genügt,
„mangelhaft“ (5), wenn die Leistung wegen erheblicher Mängel den Anforderungen
nicht mehr genügt,
„ungenügend“ (6), wenn die Leistung unbrauchbar ist
1.4 Bestehen und Wiederholung der Prüfung
1.4.1 Die Prüfung ist bestanden, wenn jeder der unten unter Abschnitt 2 und 3 beschriebenen
Prüfungsteile bestanden ist.
1.4.2 Über die bestandene staatliche Prüfung wird ein Zeugnis nach dem Muster der Anlage
3 (siehe PsychTh-APrV) erteilt. Über das Nichtbestehen erhält der Prüfling von der
zuständigen Behörde eine schriftliche Mitteilung, in der die Prüfungsnoten anzugeben
sind.
1.4.3 Der Prüfling kann die schriftliche Prüfung und die mündliche Prüfung jeweils zweimal
wiederholen, wenn er die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“ erhalten hat. Nach
der jeweils zweimaligen Wiederholung der einzelnen Prüfungsteile ist eine weitere
Prüfungsteilnahme ausgeschlossen.
1.4.4 Hat der Prüfling die mündliche Prüfung oder die gesamte Prüfung zu wiederholen, so
wird er zu den Wiederholungsprüfungen nur zugelassen, wenn er an einer weiteren
praktischen Ausbildung teilgenommen hat, deren Dauer und Inhalt von der zuständigen
Behörde bestimmt werden. Dem Antrag des Prüflings auf Zulassung zu den
Wiederholungsprüfungen ist jeweils ein Nachweis über die weitere Ausbildung sowie
mindestens eine wissenschaftlich ausgearbeitete Falldarstellung, die von der Ausbildungsstätte
als Prüfungsfall angenommen wurde, beizufügen. Die Wiederholungsprüfung
soll jeweils spätestens 6 Monate nach der letzten Prüfung abgeschlossen sein.
1.5 Rücktritt von der Prüfung
1.5.1 Tritt ein Prüfling nach seiner Zulassung von der Prüfung zurück, so hat er die Gründe
für seinen Rücktritt unverzüglich der zuständigen Behörde schriftlich mitzuteilen. Genehmigt
die zuständige Behörde den Rücktritt, so gilt die Prüfung als nicht unternommen.
Die Genehmigung ist nur zu erteilen, wenn wichtige Gründe vorliegen. Im
Falle einer Krankheit kann die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung verlangt werden.
1.5.2 Wird die Genehmigung für den Rücktritt nicht erteilt oder unterlässt es der Prüfling,
die Gründe für seinen Rücktritt unverzüglich mitzuteilen, so gilt die Prüfung als nicht
bestanden (Punkt 1.4.3 gilt entsprechend).
1.6 Versäumnisfolgen
1.6.1 Versäumt ein Prüfling einen Prüfungstermin, gibt er die Aufsichtsarbeit nicht oder
nicht rechtzeitig ab oder unterbricht er die Prüfung, so gilt die Prüfung als nicht bestanden,
wenn nicht ein wichtiger Grund vorliegt (Punkt 1.4.3 gilt entsprechend). Liegt
ein wichtiger Grund vor, so gilt die Prüfung als nicht unternommen.
1.6.2 Die Entscheidung darüber, ob ein wichtiger Grund vorliegt, trifft die zuständige Behörde
(Punkt 1.4.3 gilt entsprechend).
1.7 Ordnungsverstöße und Täuschungsversuche
1.7.1 Die zuständige Behörde kann bei Prüflingen, die die ordnungsgemäße Durchführung
der Prüfung in erheblichem Maße gestört oder sich eines Täuschungsversuches
schuldig gemacht haben, den betreffenden Teil der Prüfung für nicht bestanden erklären
(Punkt 1.4.3 gilt entsprechend). Eine solche Entscheidung ist nur bis zum Abschluss
der gesamten Prüfung zulässig.
1.8 Unterbrechung der Ausbildung
Auf die Dauer der Ausbildung werden angerechnet:
1. eine ausbildungsfreie Zeit von bis zu 6 Wochen jährlich und
2. Unterbrechungen durch Krankheit oder aus anderen, vom Ausbildungsteilnehmer
nicht zu vertretenden Gründen; bei Ausbildungsteilnehmerinnen
auch Unterbrechungen durch Schwangerschaft, bis zu höchstens vier Wochen
je Ausbildungsjahr. Auf Antrag können durch die zuständige Behörde auch
darüber hinaus liegende Fehlzeiten berücksichtigt werden, soweit eine besondere
Härte vorliegt und das Erreichen des Ausbildungszieles durch die Anrechnung
nicht gefährdet wird.
1.9 Beendigung der Ausbildung ohne Examen
Ausbildungsteilnehmer können die Ausbildung durch entsprechende schriftliche Mitteilung
zum jeweiligen Semesterende kündigen.
Das Institut ist berechtigt, aus wichtigem Grund einen Teilnehmer von der Ausbildung
auszuschließen, z. B. wenn sich im Ausbildungsverlauf schwerwiegende Bedenken
hinsichtlich der persönlichen und fachlichen Eignung ergeben oder bei grobem Verstoß
gegen die Berufsethik oder die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung.

2. Schriftlicher Teil der Prüfung

2.1 Der schriftliche Teil der Prüfung erstreckt sich auf die in Anlage 1 Teil A aufgeführte
Grundkenntnisse in den wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren
und wird in § 16 der PsychTh-AprV geregelt. Der Prüfling hat in einer Aufsichtsarbeit
schriftlich gestellte Fragen zu beantworten oder anzugeben, welche der mit der
Aufgabe vorgelegten Antworten er für zutreffend hält. Die Aufsichtsarbeit dauert 120
Minuten. Die Aufsichtführenden werden von der zuständigen Behörde bestimmt.
2.2 Die Aufgaben für die Aufsichtsarbeit werden von der zuständigen Behörde ausgewählt.
Die zuständige Behörde soll sich einer zentralen Einrichtung bedienen, die die
Aufgaben für die Aufsichtsarbeit erstellt. Der schriftliche Teil der Prüfung ist bestanden,
wenn der Prüfling mindestens 60 Prozent der gestellten Prüfungsaufgaben zutreffend
beantwortet hat oder wenn die Zahl der vom Prüfling zutreffend beantworteten
Aufgaben um nicht mehr als 12 Prozent die durchschnittlichen Prüfungsleistungen
der Prüflinge unterschreitet und die Aufsichtsarbeit mindestens mit „ausreichend“ benotet
wird.
2.3 Das Ergebnis der Prüfung wird durch die zuständige Behörde festgestellt und dem
Prüfling mitgeteilt.

3. Mündlicher Teil der Prüfung

3.1 Der mündliche Teil der Prüfungen erstreckt sich unter besonderer Berücksichtigung
der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie auf folgende Inhalte:
1. Ätiologie, Pathogenese und Aufrechterhaltung von Störungen nach § 1, Absatz 3,
Satz 1 des PsychThG
2. Theoretische Grundlagen und klinisch-empirische Befunde zu wissenschaftlich
anerkannten psychotherapeutischen Verfahren
3. Kriterien der generellen und differentiellen Indikation in den wissenschaftlich
anerkannten psychotherapeutischen Verfahren und Methoden einschließlich der
Evaluation von Behandlungsverläufen sowie
4. Theorie und Praxis der Therapeuten-Patienten-Beziehung.
3.2 In der mündlichen Prüfung hat der Prüfling anhand mindestens eines Falles nachzuweisen,
dass er über das für einen Psychologischen Psychotherapeuten erforderliche
eingehende Wissen und Können verfügt, in der Lage ist, die während der Ausbildung
erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in der beruflichen Praxis anzuwenden
und zu eigenständiger, wissenschaftlich begründeter Diagnostik und psychotherapeutischer
Krankenbehandlung befähigt ist. Der Prüfling soll insbesondere
zeigen, dass er
1. die Technik der Anamnesenerhebung und der psychodiagnostischen Untersuchungsmethoden
beherrscht und ihre Resultate zu beurteilen vermag
2. die Informationen, die zur Erstellung der Diagnose erforderlich sind, gewinnen, ihre
unterschiedliche Bedeutung und Gewichtung für die Diagnosestellung erkennen
und im Rahmen differentialdiagnostischer Überlegungen unter Berücksichtigung
des körperlichen Status und der sozialen Lebensbedingungen des Patienten
kritisch verwenden kann
3. ätiologische Zusammenhänge vor dem Hintergrund seiner Kenntnisse der Psychopathologie
und seines Störungswissens erkennen kann
4. die generelle und differentielle Indikation zur Psychotherapie stellen kann und dabei
die Grundkenntnisse in denjenigen Verfahren, die nicht Gegenstand der vertieften
Ausbildung waren, berücksichtigen kann
5. über vertiefte Kenntnisse und eingehende Fertigkeiten in tiefenpsychologisch fundierter
Psychotherapie verfügt
6. befähigt ist, die Therapeuten-Patienten-Beziehung in ihren zentralen Aspekten zu
handhaben
7. die erworbenen Grundkenntnisse in Prävention und Rehabilitation fallbezogen
anzuwenden vermag sowie
8. die allgemeinen, berufsrechtlichen und ethischen Regeln psychotherapeutischen
Verhaltens kennt und anzuwenden weiß.
3.3 Der mündliche Teil der Prüfung besteht aus zwei Abschnitten. Der erste Abschnitt
wird als Einzelprüfung durchgeführt und soll 30 Minuten dauern, in denen der Prüfungsfall
nach 1.1.2 Satz 4 mit dem Prüfling erörtert wird. Hierbei können Ausbildungsteilnehmer
und Mitglieder des Instituts als Zuhörer zugelassen werden. Der
zweite Abschnitt wird als Gruppenprüfung in Gruppen mit bis zu 4 Prüflingen durchgeführt
und soll 120 Minuten dauern. Die Dauer der Prüfung reduziert sich entsprechend
der Zahl der Prüflinge. Die mündliche Prüfung wird vom Vorsitzenden der Prüfungskommission
geleitet. Die Prüfungskommission ist während der gesamten Dauer
der mündlichen Prüfung zur Anwesenheit verpflichtet. Jedes Mitglied der Prüfungskommission
ist berechtigt, Fragen an den Prüfling zu stellen.
3.4 Jeder Abschnitt des mündlichen Teils der Prüfung ist von jedem Mitglied der
Prüfungskommission zu benoten. Aus den Noten der Prüfer bildet der Vorsitzende
der Prüfungskommission im Benehmen mit den Prüfern die Note für den jeweiligen
Abschnitt der mündlichen Prüfung sowie aus den Noten der beiden Abschnitte die
Prüfungsnote für den mündlichen Teil der Prüfung. Der mündliche Teil der Prüfung ist
bestanden, wenn jeder Abschnitt mit mindestens „ausreichend“ bewertet wird und die
Prüfungsnote mindestens „ausreichend“ ist.
3.5 Die zuständige Behörde kann zum mündlichen Teil der Prüfung Beobachter entsenden.
Der Vorsitzende der Prüfungskommission kann auf begründeten Antrag die
Anwesenheit von Zuhörern beim mündlichen Teil der Prüfung gestatten. Er hat zu Beginn
der Prüfung alle Anwesenden auf die Schweigepflicht hinzuweisen. Bei Bekanntgabe
des Prüfungsergebnisses ist die Anwesenheit von Zuhörern nicht gestattet.

4. Antrag auf Approbation

Nach bestandener Abschlussprüfung kann beim Hessischen Landesprüfungs- und
Untersuchungsamt im Gesundheitswesen der Antrag auf Approbation gestellt werden
(vgl. § 19 PsychTh-AprV).

5. Inkrafttreten

Diese Ausbildungs- und Prüfungsordnung wurde am 01.08.2006 vom Hessischen
Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen genehmigt und tritt
zum gleichen Zeitpunkt in Kraft.